DFB UND Evangelikale Netzwerke

Alle vier Jahre findet die Fußball-Weltmeisterschaft statt – ein Ereignis, auf das sich Fußballfans jahrzehntelang immer wieder gefreut haben. Sommer, warmes Wetter, lange Tage und Public Viewing unter freiem Himmel.

Spätestens seit dem Turnier in Katar können sich viele Fußballfans in Deutschland jedoch nicht mehr uneingeschränkt auf das größte Fußballfest der Welt freuen. Die FIFA vergibt das Turnier in ein Land, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Zudem musste die Weltmeisterschaft erstmals im Winter ausgetragen werden.

Der DFB wollte bei dem Turnier am Persischen Golf mit der „One Love“-Armbinde antreten. Sie sollte ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Menschenrechte setzen. Kurz vor Turnierbeginn wurde sie von der FIFA verboten. Der DFB fügte sich diesem Verbot.

Das diesjährige Turnier in Nordamerika war bereits im Vorfeld von negativen Schlagzeilen überschattet: hohe Preise, große Einreisehürden in die USA und ein unglückliches Auftreten des FIFA-Präsidenten.

Leider gab auch der DFB bis zu seinem Ausscheiden gegen Paraguay kein gutes Bild ab. Evangelikale Netzwerke nutzten das Turnier für ihre Zwecke. Dies wurde entweder vom DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf nicht erkannt oder bewusst ignoriert.

Doch worin liegt das Problem? Die Organisationen „Ballers in God“ sowie „Fußball mit Vision“ veröffentlichen immer wieder Bilder von WM-Spielern in sozialen Netzwerken. Darunter befand sich unter anderem auch Nationalspieler Felix Nmecha.

Nach Aussage Neuendorfs zeigen diese Bilder lediglich harmlose christliche Gebete. Aus Sicht vieler Fußballfans steht dahinter jedoch evangelikaler Fundamentalismus – eine sehr konservative Auslegung des christlichen Glaubens, in der die queere Community keinen Platz hat.

„Ballers in God“ begrüßte im vergangenen Jahr die Abkehr der britischen Premier League von der „Rainbow Laces“-Kampagne und rät ihren Anhängern, gestresste oder verletzte Spieler gezielt zu missionieren. Nach dem dritten Gruppenspiel des DFB gegen Ecuador veröffentlichte die Organisation erneut ein Bild aus der DFB-Kabine, auf dem Merchandising-Artikel von „Ballers in God“ zu sehen waren.

Dem DFB würde es gut zu Gesicht stehen, sich nach dem WM-Aus klar von Organisationen zu distanzieren, die als queerfeindlich wahrgenommen werden.

Während der Weltmeisterschaft fanden keine harmlosen Glaubensbekenntnisse statt. Es handelte sich auch nicht um harmlose Torjubel, bei denen symbolisch eine Krone abgelegt wird. Hinter diesen Botschaften steht vielmehr eine sehr konservative Ausrichtung des christlichen Glaubens, die von vielen als homophob und frauenfeindlich eingeordnet wird.

Wir fordern den DFB auf, hierzu klar Stellung zu beziehen. Es reicht nicht aus, jedes Jahr im Pride Month die Progress-Pride-Flagge am DFB-Campus zu hissen. Glaubwürdige Arbeit im Kampf gegen Queerfeindlichkeit im Fußball sieht anders aus. Eine ähnliche Sensibilität für das Thema Queerfeindlichkeit im Fußball, wie sie sein Vorgänger Theo Zwanziger gezeigt hat, wäre von Bernd Neuendorf wünschenswert.