2026-09-21Queerfeindliches Banner beim Heimspiel gegen den FC St. Pauli – Offener Brief an den FC Energie Cottbus
Sehr geehrte Mitglieder des Präsidiums, sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsführung,
Queer Football Fanclubs (QFF), das europäische Netzwerk queerer Fußballfanclubs, wendet sich an Sie wegen eines schwerwiegenden Vorfalls beim Heimspiel Ihres Vereins gegen den FC St. Pauli am 20. September 2026.
„Eure Regenbogenutopie endet in Pädophilie – keine Akzeptanz für eure kranke Welt.“
Dieses in der Cottbuser Heimkurve gezeigte Banner bewerten wir als unmissverständlich queerfeindlich. Es stellt eine direkte Verbindung zwischen dem Regenbogen als Symbol queeren Lebens und Pädophilie her, bezeichnet die damit angesprochenen Lebensrealitäten als „krank“ und spricht ihnen jede Akzeptanz ab.
Uns ist bekannt, auf welchen Kontext die Verantwortlichen offenbar anspielen wollten. Eine behauptete andere Zielrichtung ändert jedoch nichts an der tatsächlich veröffentlichten Botschaft.
Das Banner kritisiert keinen konkreten Vorgang, sondern bedient die alte und gefährliche Verleumdung, queere Menschen seien eine Gefahr für Kinder. Das ist keine legitime Fanprovokation, sondern die öffentliche Herabwürdigung einer gesamten gesellschaftlichen Gruppe.
Besonders verwerflich ist die Instrumentalisierung eines hochsensiblen Themas: Das Leid Betroffener wird als rhetorische Waffe benutzt, um Hass gegen queere Menschen zu transportieren. QFF verurteilt diese Botschaft auf das Schärfste.
QFF – europäisches Netzwerk queerer Fußballfanclubs Seite 1QUEER FOOTBALL FANCLUBS – QFF
Verantwortung des Vereins
Auf Ihrer eigenen Internetseite erklärt der FC Energie Cottbus, für Fairness, Weltoffenheit, Vielfalt und Toleranz einzustehen. Zudem heißt es dort, dass „Hass und Hetze keinen Platz beim FC Energie Cottbus haben“. Ihre Stadionordnung spricht sich in § 5 Absatz 2 ausdrücklich gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität aus und untersagt in § 6 Absatz 1a diskriminierendes Propagandamaterial. Aus unserer Sicht fällt das gezeigte Banner eindeutig unter diesen Schutz- und Verbotsgedanken.
Wir schreiben dem Verein nicht die Urheberschaft des Banners zu. Als Veranstalter und Inhaber des Haus- und Organisationsrechts trägt der FC Energie Cottbus jedoch Verantwortung dafür, wie ein solcher Vorfall bewertet, aufgearbeitet und künftig verhindert wird. Eine allgemeine Formel gegen Diskriminierung reicht angesichts der Eindeutigkeit dieser Botschaft nicht aus. Queerfeindlichkeit muss ausdrücklich als solche benannt werden.
Aufforderung zur Stellungnahme und Einleitung von Maßnahmen
Wir fordern den FC Energie Cottbus daher zu einer zeitnahen öffentlichen Stellungnahme auf. Darin bitten wir Sie insbesondere um nachvollziehbare Antworten auf folgende Punkte:
1. Wie bewertet der FC Energie Cottbus den Inhalt des Banners, und erkennt der Verein dessen ausdrücklich queerfeindliche Botschaft an?
2. Welche Erkenntnisse liegen dazu vor, wie das Banner in das Stadion gelangen und in der Heimkurve präsentiert werden konnte?
3. Wurde der Inhalt vorab angemeldet oder geprüft? Falls der Verein oder der Ordnungsdienst während der Präsentation Kenntnis davon erlangte: Weshalb wurde nicht eingegriffen?
4. Welche Schritte unternimmt der Verein, um die Verantwortlichen zu identifizieren und mögliche Verstöße gegen Stadionordnung und Hausrecht zu prüfen?
5. Welche angemessenen Konsequenzen zieht der Verein gegenüber den Verantwortlichen, und welche konkreten Änderungen bei Bannerfreigabe, Einlasskontrolle und Intervention im Block werden daraus folgen?
6. Welche Maßnahmen wird der Verein ergreifen, um queere Fans sichtbar zu unterstützen und Wiederholungen zu verhindern – unter Einbindung der Beauftragten für Vielfalt und Toleranz sowie geeigneter zivilgesellschaftlicher Stellen?
7. In welcher Form werden die zuständigen Fußballverbände über die vereinsinterne Aufarbeitung und die daraus abgeleiteten Maßnahmen informiert?
Wir bitten um eine zeitnahe schriftliche Antwort an info@queerfootballfanclubs.org. Für einen fachlichen und konstruktiven Austausch über wirksame Maßnahmen gegen Queerfeindlichkeit im Fußball steht QFF zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Der Sprecherrat der Queer Football Fanclubs – QFF
+++ Edit +++ Es gibt inzwischen eine erste Stellungnahme des Vereins, in dem er die Inhalte des Banners kritisiert. Wir erwarten dennoch nachhaltige Maßnahmen, die solche Vorkommnisse für die Zukunft ausschließen!

